Wie ich durch Mettā lernte, mich nicht mehr infrage zu stellen

Bild von Sabrina Engelke - lächelnd in die Kamera blickend

Wenn Selbstzweifel leise mitlaufen

Kennst du das? Du triffst eine Entscheidung – und kaum ist sie ausgesprochen, fängst Du an, sie innerlich wieder auseinanderzunehmen. Du bist in einem Gespräch, sagst etwas ganz ehrlich – und auf dem Heimweg fragst Du Dich, ob das jetzt zu viel war. Oder nicht klar genug. Oder irgendwie falsch. Du spürst eigentlich, was für Dich stimmt – und trotzdem stellst Du Dich selbst noch einmal infrage.

Wenn ich ehrlich bin, kenne ich dieses Hinterfragen schon mein ganzes Leben. Es war nie nur „Ach, bin ich unsicher“. Es war ein klares Gefühl, nicht ganz zu genügen. Mich anpassen zu müssen. Erst noch besser werden zu müssen, bevor ich wirklich okay bin.

In diesem Artikel geht es darum, wie Mettā ganz leise und fast unbemerkt genau diese Sichtweise verändert hat. Wie dieses ständige Hinterfragen nach und nach leiser wurde.

Der Moment, in dem nichts passiert

2019, während eines Schweigeretreats, habe ich das erste Mal Mettā praktiziert. Ich bin eigentlich aus reiner Neugier dort gelandet. Ich interessierte mich viel mehr für die Erfahrung des Schweigens als für diese Mettā-Meditationspraxis.

Und als ich dann zum ersten Mal den Satz „Möge ich glücklich sein“ zu mir gesprochen habe, ist nicht viel passiert. Ich habe ihn wiederholt – und da war nichts, was mich wirklich berührt hat. Keine Wärme. Kein Widerstand. Einfach nichts Besonderes.

Ich wusste, dass der Wunsch echt ist. Natürlich wollte ich glücklich sein. Aber ich habe es nicht gefühlt. Es hat mein Herz nicht berührt. Es hat mich nicht erreicht.

Später habe ich genau diesen Satz einer lieben Freundin gewidmet. Und plötzlich war alles da. Mein Brustraum wurde weich. Ich konnte es fühlen. Tränen liefen mir über das Gesicht. Da war diese bedingungslose Wärme, kein Zweifel, kein inneres Korrigieren. Nur ein klares: Ja, ich wünsche dir das wirklich aus der Tiefe meines Herzens.

Warum ich ihr mehr erlaube als mir

Irgendwann saß ich da und dachte: Warum geht das bei ihr so leicht – und bei mir nicht? Warum kann ich ihr all diese Wärme und Liebe schenken, ohne Zögern, ohne Einschränkung? Ich würde nie so kritisch mit ihr sprechen, wie ich es oft mit mir tue.

Warum braucht es bei mir immer erst Bedingungen? Erst eine Leistung? Erst dieses „Ich müsste eigentlich noch…“? Ich würde ihr niemals sagen, sie müsse erst besser werden, um glücklich sein zu dürfen. Ich würde ihr niemals ihr Gefühl absprechen. Ich würde nie daran zweifeln, dass sie genauso richtig ist, wie sie ist.

Und bei mir? 

Da mache ich genau das.

Wie Mettā mich langsam sanfter werden ließ

Und es blieb nicht bei diesem einen Gedanken. Er kam in jeder Meditation wieder. Jedes Mal saß ich da und merkte: Da ist es wieder. Dieser Unterschied. 

Mit der Zeit wurde mein Blick darauf jedoch sanfter, liebevoller. Und genau das ist es, was Mettā schafft. Man fängt an, sich selbst ehrlicher – und sanfter – zu sehen.

Ich habe verstanden: Mettā verändert nicht über Nacht. Mettā arbeitet leise. Nicht, indem sie Gefühle erzwingt. Sondern indem sie uns immer wieder mit genau dem konfrontiert, was da ist – und uns einlädt, sanfter darauf zu schauen.

Und genau darin liegt ihre Kraft. Nicht im großen Durchbruch. Sondern im langsamen Verschieben der inneren Haltung

Was sich sieben Jahre später wirklich verändert hat

Und heute, sieben Jahre nach meiner ersten Begegnung mit Mettā, ist vieles anders. Die kritischen Stimmen sind nicht verschwunden. Aber sie bestimmen mich nicht mehr. Ich kann mich liebevoller annehmen. Ich sehe mich klarer – auch mit meinen Ecken.

Wenn ich heute „Möge ich glücklich sein“ zu mir sage, empfinde ich dieselbe tiefe Liebe und Wärme wie damals bei der Freundin in der ersten Meditation. Und ich merke, wie sich das nicht nur in mir, sondern auch im Alltag zeigt.

Wenn Wohlwollen im Alltag auftaucht

Ich begegne Menschen anders. Offener. Weicher. Weniger urteilend. Früher war da schneller ein innerer Kommentar. Heute ist da öfter einfach ein stilles Wohlwollen.

Manchmal gehe ich durch die Straße, sehe jemanden, der müde wirkt oder in Gedanken versunken ist, und ganz automatisch taucht dieser Satz auf: „Mögest du glücklich sein.“

Einladung in die Praxis

Mettā ist keine Theorie. Mettā muss erfahren werden.

Deshalb wird es 2026 in der Nähe von Düsseldorf (auf einem Bauernhof in Meerbusch) einen eintägigen und ein zweitägiges Mettā-Retreat geben. Dort gehen wir Schritt für Schritt durch diese Praxis – mit Zeit, mit Stille und mit echter Begleitung.

Alle Details findest Du hier:

Was ist Mettā wirklich? Ein kleine Erklärung am Ende 🙂

Mettā ist ein Wort aus dem Pali und bedeutet „liebende Güte“. Es ist eine Meditationspraxis, in der wir uns selbst und anderen Sätze wie „Möge ich glücklich sein“ oder „Mögest du frei von Trauer sein“ zusprechen.

Nicht, um Gefühle zu erzwingen. Sondern um unser Herz langsam zu öffnen – für uns selbst und füreinander. Und um uns daran zu erinnern, dass wir im Grunde alle dasselbe wollen: glücklich sein und in Frieden leben.

Sabrina - Die Stille Botschafterin

begleitet Menschen dabei, den Lärm des Alltags hinter sich zu lassen und in die heilsame Kraft der Stille einzutauchen.
In ihren Events & Retreats entsteht ein Raum, in dem Achtsamkeit, Ruhe und innere Stabilität wachsen dürfen – ein Ort, an dem das ständige Müssen leiser wird und das Wesentliche wieder spürbar wird

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